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Das Orakel von Delphi

Der Tempel des Apollon in Delphi war eine berühmte griechische Pilger- und Weissagungsstätte des antiken Griechenlands. Es war die wichtigste Kultstätte der hellenistischen Welt. Dem Mythos zufolge ließ Zeus zwei Adler von je einem Ende der Welt fliegen, die sich in Delphi trafen. Seither galt dieser Ort als Mittelpunkt der Welt.

Der Tempel war Apollon geweiht, wobei ursprünglich allerdings die Erdgöttin Gaia verehrt wurde. Der genaue Zeitpunkt der Übernahme des Heiligtums durch Apollon ist nicht mehr feststellbar, doch bereits bei Homer wird von einem Apollon-Kult in Delphi gesprochen. Funde zeigen einen Aufstieg des Heiligtums ab dem 8. Jahrhundert v. Chr.

Auf die alte kultische Verehrung der Gaia ist es zurückzuführen, dass Apollon nicht durch einen Priester, sondern durch die Pythia sprach. Diese saß auf einem Dreifuß über einer Erdspalte. Dem Mythos nach stiegen aus dieser Erdspalte Dämpfe, die die Pythia in einen Trancezustand versetzten. Frühe geologischen Untersuchungen ließen es zunächst zweifelhaft erschienen, dass in Delphi echte Gase aus der Erde austraten. Es wurde daher angenommen, dass der Mythos aus einem spirituellen Hauch physikalische Gase gemacht habe. Neue Forschungen des amerikanischen Geologen Jelle de Boer von der Wesleyan University (Connecticut) 2004 konnten nach umfangreichen Laboranalysen jedoch plausibel belegen, dass in Delphi das Gas Ethylen die Trance der Priesterin bewirkt haben könnte.

Das Ende des Delphischen Orakels kam durch den christlichen Kaiser Theodosius I., der um 390 n. Chr. die Orakelstätte aufhob.
Die eine Hälfte der Welt lacht über die andere, und Narren sind sie alle! (Gracians Handorakel)